Vorstand spielt Busfahrer
Philipp Scopp, 05.11.2016
Der Vorstand des Fußballclubs Grün-Weiß Piesteritz hat eine außergewöhnliche Aktion geplant. „Das haben sich Mannschaft und Trainer nach vier Verbandsliga-Spielen ohne Niederlage verdient“, sagt Maik Trollmann, der am Steuer eines Kleinbusses sitzt und „seinen Teil“ des Teams am Samstag zum Auswärtsspiel nach Burg fährt.
Hinterm Lenkrad der anderen beiden Busse sitzen Christoph Springer und Achim Golly. Der 30-jährige Trollmann bezeichnet diese Maßnahme als „enorm wichtig für die Außendarstellung des Vereins“. „Wir wollen zeigen, wie Zusammenarbeit im Verein funktioniert. Team und Übungsleiter können sich auf Hin- und Rückfahrt entspannt unterhalten, Pläne schmieden und die Partie gegen den Burger BC auswerten.“
In Sachen Präsidentschaftskandidaten gibt es laut Trollmann nicht viel Neues. Die Vereinsführung habe sich mit mehreren interessanten Personen unterhalten, doch bisher nur Absagen erhalten. „Da waren Geschäftsführer von Betrieben dabei. Doch die sind beruflich zu stark eingebunden, um nach Feierabend Präsident eines Fußballclubs zu sein.“
Wunschkandidat Nummer eins des Vereins ist Karl-Heinz Röthel, der am Wochenende aus dem Urlaub zurück kommt. „Der Vorstand wird mit ihm in der nächsten Woche ein Gespräch führen“, kündigt er an.
Am Samstag um 14 Uhr stehen die Kicker aus dem Volkspark wie erwähnt dem Burger BC gegenüber, der in der Vorwoche nach der 1:6-Niederlage gegen SV Börde Magdeburg auf Rang zwölf des Klassements abgerutscht ist. Piesteritz hat als Achter zwei Zähler (11 zu 9) mehr auf dem Konto.
In der vergangenen Saison gewann Burg beide Spiele (4:0, 5:1) gegen den FC Grün-Weiß. Mit der Vergangenheit beschäftigt sich Trollmann nicht. Er vergleicht den Gegner mit einem „angeschlagenen und deshalb gefährlichen Boxer“, der auf Wiedergutmachung aus ist.
Nach vier Partien ohne Niederlage ist Piesteritz selbstbewusst genug, um nicht mit zittrigen Knien nach Burg zu fahren. Neben den langzeitverletzten Kickern Patrick Pfeifer und Michael Müller stehen dem Trainer-Duo Heiko Wiesegart und Jan Lindemann noch Kevin Redlich und Sascha Prüfer nicht zur Verfügung. Beide fehlen aus privaten Gründen.
Das Vorstandsmitglied geht davon aus, dass Spielertrainer Wiesegart seine Fußballschuhe schnüren und mithelfen wird, die Abwehr zusammenzuhalten. Beim 4:1 gegen Bitterfeld-Wolfen habe man deutlich gesehen, wie wichtig es ist, einen mit allen Wassern gewaschenen Routinier in den eigenen Reihen zu haben. „Nach dem 1:2 stand die Partie auf der Kippe.“
Mit den Erfolgen ist beim FC kongruent die Lust auf neue Taten gestiegen. Trollmann gibt Auswärtssieg als Tagesziel heraus und betont, dass ein Punkt zu wenig ist. Die Mannschaft soll im Parkstadion am Flickschupark „ordentlich Gas geben“ und sich für die guten Trainingsleistungen belohnen. Mit guter Stimmung im Bus lenkt es sich bekanntlich leichter. (mz)
Quelle:Mitteldeutsche Zeitung, 04.November 2016
