Drama um Extra-Sekunden
Philipp Scopp, 04.10.2016
Piesteritz - Robert Päßler (Bobbau) hat 90 Minuten eine ordentliche Leistung abgeliefert. Der Referee entscheidet sich für zwei Minuten Nachspielzeit und signalisiert das mit zwei erhobenen Fingern. Der VfB Sangerhausen kann in den zusätzlichen 120 Sekunden das 1:0 der Gastgeber nicht korrigieren. Für den Ausgleich werden weitere zwei Minuten benötigt. Der Treffer zählt!
Und so wird der Spielleiter nach dem Abpfiff von mehreren Kickern in Grün-Weiß bedrängt. Sie fordern vom Spielleiter eine Erklärung, wie er die vier Minuten „errechnet“ hat. Damit hat Päßler aber keine Probleme, versteckt sich nicht hinter dem Argument des Ermessungsspielraums, den eben der Mann an der Pfeife habe. „Es geht um die 91. Minute“, erläutert Päßler im Gespräch mit der MZ.
Nach einem Foulspiel verwarnt er Jörg Steiner. Es schließt sich die Auswechslung an. Der Referee hat die Zeit gestoppt. Er spricht von 90 Sekunden. Er habe den Spielern gesagt, dass er das nachspielen lasse. Und so suchen die Piesteritzer Verantwortlichen die Schuld für die gefühlte Niederlage im Abstiegskampf-Gipfel in ihren eigenen Reihen.
Trainer Heiko Wiesegart, der sich selbst in der Abwehr aufstellt und einen soliden Part spielt, hält sich „natürlich“ an sein „Schweigegelübde“. „Der Jan hat seine Sache aber sehr gut gemacht“, betont er. Und der angesprochene Coach Lindemann will Zeit von der Uhr nehmen und fordert: „Ab zur Eckfahne!“
Doch ausgerechnet die letzte taktische Order wird nicht befolgt. „Diese Undiszipliniertheit kostet uns zwei Zähler“, sagt der Trainer. Statt seiner Anweisung zu folgen, wird der Ball nach vorn geschlagen. Die Gäste können so ihren letzten Angriff starten.
Der eingewechselte Andy Soyk kann dabei von Keeper Marvin Kleinschmidt nur noch mit einem Foul gestoppt werden. „Ein klarer Elfmeter“, sagt Martin Kinast. Der Trainer von Sangerhausen schaut bei der Ausführung vom Punkt nicht hin. Doch Daniel Trautmann verwandelt den Strafstoß sicher und sorgt für den ersten Auswärtspunkt für seine Elf (94. Minute).
„Wir sind selber schuld, weil wir die Chancen vorn nicht nutzen“, schimpft dagegen der Piesteritzer Schlussmann. „Von Unvermögen vor dem Tor“, spricht auch Sebastian Töpfer. Tatsächlich hat der FC Grün-Weiß die Zähler im Angriff liegen gelassen. Hochkarätige Möglichkeiten werden in den letzten 20 Minuten nicht genutzt.
Dennis Marschlich kann zwar Keeper Maik Bemmann mit einem Heber überlisten, aber der Ball geht neben das Gehäuse (71.). Der junge Angreifer trifft auch beim nächsten Mal nicht (86.). Und schließlich verzieht auch Jonny Karaschewski (87.), der allerdings in der ersten Halbzeit die Gastgeber in Front bringt. Bemmann kann einen Schuss von Kevin Redlich nur abprallen lassen. Karaschewski bringt die Gastgeber vor 69 Zuschauern in Führung (18.).
Piesteritz: Marvin Kleinschmidt, Florian Freihube, Heiko Wiesegart, Sebastian Töpfer, Jörg Steiner (90. Tom Polaszek), Jonny Karaschewski, Richard Held, Brian-Lucas Körnicke, Kevin Redlich, Sachsa Prüfer, Dennis Marschlich (85. Alexander Wirth)
Quelle:Mitteldeutsche Zeitung, 04.Oktober 2016
