Routiniers im Rampenlicht
Philipp Scopp, 08.04.2016
Wittenberg -
Die Routiniers stehen beim Fußball-Verbandsligisten FC Grün-Weiß Piesteritz derzeit im Mittelpunkt. Der 42-jährige Verteidiger Tobias Keil hat es mit seiner Leistung gegen Romonta Amsdorf auf einer Internetplattform in die „Elf der Woche“ geschafft, Keeper Jan Lindemann (37) hat seine Elf in dieser Partie vor einer höheren Niederlage bewahrt (1:2). „Deshalb haben wir intern eine Diskussion ausgelöst, ob die jungen Wilden überhaupt ihr gesamtes Potenzial abrufen“, betont Cheftrainer Heiko Wiesegart, der am Sonntag gegen den Burger BC - der Anstoß erfolgt um 14 Uhr im Volkspark - „keine Bauschmerzen“ hat, dieses Duo erneut einzusetzen.
„Beide verleihen der Abwehr viel Stabilität“, so der Coach, der weiß, dass er in diesem Fall sein System etwas umstellen muss. Denn Keil gewinnt aufgrund seines fortgeschrittenen Fußballalters nicht mehr jedes Laufduell. „Trotzdem“, sagt er, „sollten sich unsere jungen Kicker im Team an ihm und Jan ein Beispiel nehmen. Die haben schon Verbandsliga gespielt, da waren einige Heißsporne noch nicht mal auf der Welt.“
Personalsorgen werden kleiner
Wiesegart will mit dieser Kritik sein Team bei der Ehre packen. Nach zwei Niederlagen in Folge ist die Stimmung etwas gedrückt, der Trainer hat keine Lust, die (noch) komfortable Situation aufs Spiel zu setzen. „Nach dem schwachen Saisonstart haben wir genug Möglichkeiten gehabt, unsere Situation zu korrigieren. Jetzt werden unsere Chancen immer weniger“, schätzt er die Lage ein. Personell geht es bei den Piesteritzern wieder bergauf. Die zuletzt verletzten oder erkrankten Jonny Karaschewski, Sebastian Töpfer, Michael Brußies und Torwart Marvin Kleinschmidt sind wieder in das Mannschaftstraining eingestiegen. Der Trainer hat zwar von dem Quartett noch kein grünes Licht bekommen, doch er geht davon aus, dass es den Kader verstärkt. „Unser Ziel lautet Heimsieg. Wir wollen in der Rückrunde nicht in den Abstiegsstrudel geraten“, so Wiesegart, der das Hinspiel (0:4) nicht vergessen hat.
Der FC Grün-Weiß erkämpfte sich in der ersten Halbzeit Chancen am Fließband, doch kurz vor dem Wechsel schlugen die Gastgeber das erste Mal zu. „Das war unser Genickbruch“, meint Wiesegart rückblickend und erzählt, dass es der Mannschaft in der damaligen Findungsphase schwer gefallen ist, Rückschläge zu verkraften. Wichtig ist, dass die Mannschaft am Sonntag alle Vorgaben auf dem Platz umsetzt. Deshalb habe er sich nach der Niederlage gegen Amsdorf geärgert, dass er mit seinem Plan scheinbar auf viele taube Ohren gestoßen ist.
Holpriger Rückrundenverlauf
Bei Gegner Burger BC ist derzeit ebenfalls nicht alles Gold was glänzt. Sportvorstand Detlef Zimmer bewertet den bisherigen Rückrundenverlauf mit „sehr holprig“ und liefert einen triftigen Grund mit. „Unser Cheftrainer Hartmut Müller befindet sich seit Dezember im Krankenstand.“ Insgesamt ist Zimmer mit dem fünften Platz zufrieden. Der Anspruch der Mannschaft ist es aber vor allem, attraktiven Fußball zu spielen. „Wir wollen andererseits nicht in Schönheit sterben. Die Ergebnisse stehen selbstverständlich mit im Vordergrund.“ Der Sportvorstand geht nicht davon aus, dass die Gäste mit dem Gegner wieder leichtes Spiel haben werden. Piesteritz habe sich als Mannschaft gefestigt und wird dem Aufsteiger einen harten Kampf liefern. „Wir machen keine Kulturfahrt in die Lutherstadt, sondern wollen uns auch etwas mitbringen“, so Zimmer. Prunkstück des Burger BC ist die von Tim Schaarschmidt und Hannes Schock organisierte Abwehr. Der Aufsteiger hat erst 16 Gegentreffer kassiert. Bekannt im Volkspark ist auch Philipp Glage, der hier mit Preussen Magdeburg schon seine Visitenkarte abgegeben hat. (mz)
Quelle:Mitteldeutsche Zeitung, 08.April 2016
