FC Grün-Weiß Piesteritz e.V.
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Alle Neune ist Geschichte

Philipp Scopp, 12.03.2016

Alle Neune ist Geschichte

Wittenberg -

„Einen Ausrutscher dieser Größenordnung haben wir uns danach nicht mehr geleistet“, betont Chefcoach Heiko Wiesegart, dem es am 6. September 2015 die Sprache verschlagen hat. Fußball-Verbandsligist FC Grün-Weiß Piesteritz ist an diesem Tag im Stendaler Stadion „Am Hölzchen“ 1:9 untergegangen. „Die Mannschaft hat sich damals noch in der Findungsphase befunden“, so Wiesegart, der selbst Monate nach dem Negativ-Erlebnis „vom schwärzesten Tag“ in seiner noch jungen Trainerkarriere spricht.

Vor dem zweiten Duell mit dem 1. FC Lok Stendal, das am Sonnabend um 14 Uhr im Volkspark angepfiffen wird, hat der 38-Jährige in die psychologische Trickkiste gegriffen und das Spielprotokoll vom 1:9 in die Umkleidekabine gehängt. „Da haben sie viel zu lesen und können sich selber einen Kopf machen“, erklärt der Coach, der trotz des augenblicklichen Höhenflugs auf dem Boden bleibt.

Fest steht: Der FC Grün-Weiß hat in der Rückrunde noch nicht verloren (zwei Remis, ein Sieg) und gegen Meisterschaftsmitfavorit BSV Halle-Ammendorf (0:0) und den SV Dessau 05 (3:2) Akzente gesetzt. „Für Mannschaft und Fans ist es eine schöne Momentaufnahme“, meint Wiesegart, der bei der Auswertung des Derbysiegs nicht mit Kritik gespart hat. Vor allem im taktischen Bereich sei aufgrund der Nichtumsetzung vor Vorgaben viel schiefgelaufen. Der Gegner habe dieses Manko erkannt und „sehr schlitzohrig“ gehandelt. Gefühlte 25 Freistöße gegen Piesteritz im zweiten Abschnitt sind eine Hausnummer, bei der dringend Diskussionsbedarf besteht. Gefreut hat den 38-Jährigen, welche Leidenschaft seine Jungs über 90 Minuten hinweg gezeigt haben. Er persönlich nennt das „gesunde Derby-Härte“.

Selbstbewusstes Auftreten

Siege machen selbstbewusst. Wie-segart ist sich sicher, das Piesteritz gegen Stendal mit breiter Brust auflaufen wird und heiß auf Wiedergutmachung ist. Für den Coach gehört der 1. FC Lok zu den spielstärksten Mannschaften. Er hat Respekt und erzählt, dass er mit einem Punkt gut leben kann. Zusammen mit Co-Trainer Jan Lindemann verfolgt er seit Wochen die Berichte über den Kontrahenten im Internet und erzählt, dass er die Leistungsträger „auf dem Zettel“ hat. Tom Polaszek (Sperre) und Patrick Pfeifer, der aufgrund einer Kreuzbandverletzung bis Saisonende ausfällt, stehen der Volkspark-Elf nicht zur Verfügung.

Der 1. FC Lok ist mit 30 Punkten Sechster des Klassements und hat mit dem bisher guten Abschneiden Begehrlichkeiten geweckt. „Unser neues Saisonziel lautet, einen Platz unter den fünf besten Teams zu belegen“, erklärt Coach Sven Körner, denn Stendal spiele traditionell eine bessere Rück- als Hinrunde. Der Übungsleiter verrät, dass er von der Entwicklung der Piesteritzer Mannschaft positiv überrascht ist und Wiesegart einen hervorragenden Job macht. „Ein 0:0 gegen Halle-Ammendorf ist immer beeindruckend“, schiebt er nach.

Wilde Spielweise

Körner erzählt, dass er mit seinen Jungs auch das zweite Duell gegen die Grün-Weißen gewinnen will und am Sonnabend „wild spielen“ lässt. Was heißt das? „Nicht Wild-West, sondern hohes Tempo und eine gute Balance bei der Arbeit mit und gegen den Ball.“ Auf Martin Gebauer (krank), Niklas Buschke, Lukas Breda (beide verletzt) und Marcel Werner (Urlaub) muss er verzichten. Spielberechtigt ist Neuzugang Daniel Ujazdowski, der bereits für Union Berlin II, Hannover 96 II sowie Optik Rathenow gekickt hat und zuletzt in Angolas erster Liga auf Torejagd gegangen ist. (mz)


Quelle:Mitteldeutsche Zeitung, 11.März 2016